DUO BRAND / RUPP




Ulrike Brand — Cello
Olaf Rupp — Elektrogitarre








Aus dem spezifischen Zusammenklang von Cello und Elektrogitarre entspringt die eigene Poetik des Duos. Cello und Elektrogitarre weisen trotz ihrer unterschiedlichen semantischen Felder – Cello als das mit dem romantischen Klangideal behaftete akustische Instrument und E-Gitarre als Synonym für Rockmusik - zum Verwechseln ähnliche Klangfarben und Spieltechniken auf. So wie das Streichen mit dem Bogen und das Pizzikatospiel austauschbar sind, sind es auch Obertonklänge, Arpeggien, Cluster, zahlreiche Verfremdungseffekte und Geräusche; essentielle Voraussetzung dafür ist die Möglichkeit einer differenzierten Laustärkenmodulation auf der Elektrogitarre. Das Resultat ist eine stilistische Ungebundenheit bei freiem assoziativem „Spiel“ mit Ähnlichkeit und Rollentausch, Erinnerung und Vorwegnahme. Im Duo potenzieren sich diese Vorgänge durch den kontinuierlichen Input der Klänge des Anderen die zu Klängen des Eigenen werden, welche wiederum auf das Andere einwirken - den Kommunikationsfluss wechselseitig gestaltend.

Die Cellistin Ulrike Brand bringt aus jahrzehntelanger Erfahrung mit der Interpretation zeitgenössischer Musik das gesamte Spektrum der dort verwendeten Spieletechniken ein. In ihrem Spiel sind Klang und Geräusch gleichwertige akustische Elemente, Tonhöhe wird als Kontinuum aufgefasst und der gesamte Korpus des Instruments als allover bespielt, wodurch das gestische Element des Spiels betont wird.

Der Gitarrist Olaf Rupp erforscht auf seinem Instrument mit kompromissloser Radikalität die Räume der freien Improvisation. Seine äußerst virtuosen selbstentwickelten Spieltechniken sind das Ergebnis einer individuellen künstlerischen Disziplin, die fern aller Vorgaben und Konventionen die klanglichen Grenzen des Instruments kontinuierlich erweitert. In seiner subtilen pointillistischen Klangwelt erscheint der Einzelton als Farbpunkt innerhalb einer übergeordneten Matrix.
The specific consonance of cello and electric guitar creates the unique poetics of this duo. Despite of belonging to very different semantic fields —cello the instrument associated with the romantic sound ideal and electric guitar as a synonym for rock music — they reveal confusingly similar timbres and playing techniques. Arco and pizzicato are just as exchangeable as are overtone sounds, arpeggios, clusters, noise and other extended techniques. This is only possible because of an elaborate setup of loudness-modulation on the electric guitar. The result is a stylistic freedom in an associative "play" with similarity and role exchange, reprise and anticipation. The duo-constellation is potentiating these effects when the continuing input of sounds from one player becomes part of the overall sound and at the same time acts upon the other player creating a reciprocal flow of communication.

Because of her experience in performing contemporary classical compositions in the past decades, cello player Ulrike Brand can draw upon all the varieties of different extended playing techniques that are used there. She uses sounds and noises as equivalent material, pitch is treated as a continuum and the whole body of the instrument can create sounds. This is also accentuating the gestural element of the performance.

Guitar player Olaf Rupp explores on his instrument in uncompromising radicallity the field of free improvisation. The extreme virtuosic playing techniques which he has developed by himself are the result of a unique artistic discipline far away from the usual standards and conventions. He is always expanding the sonic range of his instrument evermore. In his subtle, pointillistic soundworld every single note appears as a colour-dot inside of a larger matrix.




ULRIKE BRAND studierte Cello bei Klaus Heitz und Georg Faust, sowie Kammermusik beim Amadeus-Quartett an der Musikhochschule Köln. Weiterhin spezialisierte sie sich bei Siegfried Palm und Peter Eötvös auf die Interpretation zeitgenössischer Musik.

Seit 1985 konzertiert sie als Solistin auf den wichtigsten Festivals für zeitgenössische Musik: u.a. MaerzMusik (Berlin), Epidaurus Festival (Athen), Frankfurter Feste, Nuova Consonanza (Rom), John Cage e l'Europa (Perugia), Evenings of New Music (Bratislava), Bayer Kultur (Leverkusen), Sonopolis (Venedig), Wort & Klang (Goethe-Institut Turin), Melos Etos (Bratislava), Colloqui Internazionali di Nuova Musica (Palermo), Musica e Spazio (Rom), Cercle Scelsi (Perugia), Sagra Musicale Umbra (Perugia), Goethe-Institut (Paris), Octobre en Normandie (Rouen), 3x neu (Düsseldorf), Q-Art (Cagliari), Borealis (Bergen), Santa Fe New Music (USA), Conductus (Meran), Festival delle Nazioni (Città di Castello), DFG/Wissenschaftszentrum (Bonn), Teatro La Fenice (Venedig), Wort & Klang (Goethe-Institut Turin), Nucleo Musica Nueva (Montevideo), Projektgruppe Neue Musik (Bremen), Segni Mobili (Rom), Melos Etos (Bratislava), Japanisches Kulturinstitut (Rom), Deutsches Kulturinstitut Villa Romana (Florenz), Unerhörte Musik (Berlin), Santa Fe Festival of Electroacustic Music (USA), Rebus (Milano), Oh-ton (Oldenburg), Staatsoper Hannover, Teatro Palladium (Rom) etc.

Ulrike Brand spielte zahlreiche Uraufführungen, darunter Werke, die in ihrem Auftrag enstanden und ihr gewidmet sind, u.a. von Federico Incardona, Graciela Paraskevaidis, Christian Wolff, Barbara Monk-Feldman, Samir Odeh-Tamimi, Joachim Heintz, Stefano Trevisi, Cheol-Ha Park, Cesare Saldicco, Karen Odrobna Gerardi, Steven M. Miller, Marcello Fera , Gianclaudio Mantovani, Flavio Emilio Scogna, Giulio Castagnoli, Giovanni Damiani, Michele dall'Ongaro, Marco Lombardi, Silvia Colasanti, Giampaolo Coral, Gerolamo Deraco, Federico Gardella, Enrico Correggia, Alessandra Ravera, Francesco Maggio, Eckart Beinke, Gwyn Pritchard, Laurie Schwartz.

Ihr besonderes Interesse gilt grenzüberschreitenden Projekten in den Bereichen Bildende Kunst, Performance und Videokunst, wobei sie u.a. mit Annebarbe Kau, Juliane Laitzsch, Bandprobe, Carola Bauckholt, Massimo Moricone , Senio Dattena, open space movement, Louise Wagner, Roberta Cortese, Isabella Bordoni, Danilo Cremonte, Hiroko, Felix Rozen, Phil Sims zusammengearbeitet hat. Sie entwickelt konzeptuelle Improvisationen zu Bildern und Zeichnungen und spartenübergreifenden Performance in den Projekten short-cut und Bandprobe. In der Freien Improvisation spielt sie u.a. mit Olaf Rupp, Tomomi Adachi, Giancarlo Schiaffini, Edwin Prévost, John Tilbury, Biliana Voutchkova, Matthias Bauer, Thomas Noll und Anna Clementi.

Seit 2002 hielt Ulrike Brand Gastvorlesungen an folgenden Hochschulen und Universitäten: University of the Arts Bremen, University of Bergen (NO), Escuela Universitaria de Musica Montevideo (UY), Universität Oldenburg , College of Santa Fe (USA), Weissensee-Kunsthochschule Berlin, Institut für Neue Musik der HMTM Hannover, John Cabot University Rom, sowie im Master-Bienniums an den Konservatorien von Perugia und Bozen (I). 2006 hat sie das internationale Hochschul-Austauschprojekt "cello+live elektronik" unter Beteiligung der Hochschulen von Bremen und Perugia, sowie des ZBiosaentrums Tempo Reale Firenze durchgeführt. Von 1987 bis 1997 war gemeinsam sie mit Alfonso Fratteggiani Bianchi künstlerische Leiterin der Quaderni Perugini di Musica Contemporanea, denen John Cage 1992 sein Stück ONE12 widmete, welches er selbst in Perugia uraufführte. Im Verlag L'Epos (Palermo) hat Ulrike Brand zwei Bücher mit Texten über John Cage und Giacinto Scelsi herausgegeben. Sie lebt in Berlin.



Olaf Rupp(*1963) spielt Improvisierte Musik auf der Konzertgitarre und der E-Gitarre. Seine organisch fließenden Themenentwicklungen entstehen weder durch Zufall noch durch dominante Willensentscheidung. Er beschäftigt sich in seiner Musik viel mit der geräuschhaften Klangfarbenwirkung mehr oder weniger stark verdichteter Bewegungscluster (Ton Murmurationen). Dabei ist jede einzelne Note ein charakteristischer Farbpunkt in einer Klangmatrix und diese "Tonfarbe“ ist wichtiger, als die Position dieser Note in üblichen Ordnungssystemen. Eine Reihe von Tönen erzeugt also keine Melodie, sondern einen bewegten Klang. Und die eigene Farbe jeder Note ist dabei wichtiger, als der melodische oder harmonische Überbau, mit dem man sie zu beladen geneigt ist.
Von Olaf Rupp sind fünf Solo Alben erschienen bei FMP, GROB und GLIGG. Er arbeitete aber auch international mit vielen wichtigen Vorreitern der Improvisierten Musik wie etwa Paul Lovens, Tristan Honsinger, Peter Brötzmann, Butch Morris, Lol Coxhill, John Zorn und Michael Wertmüller. Wichtige Gruppen sind aktuell unter anderem das Duo XENOFOX mit Rudi Fischerlehner, das Duo mit Cellistin Ulrike Brand, DIE DICKEN FINGER mit Oli Steidle und Jan Roder (auch im Quartett mit Peter Brötzmann) sowie WEIRD WEAPONS mit Tony Buck und Joe Williamson. www.audiosemantics.de



reviews

Sieben Nummern umfasst die CD Shadowscores dieses Duos, bestehend aus Ulrike Brand und Olaf Rupp. Brand beschäftigt sich als Cellistin vor allem mit der Interpretation zeitgenössischer Musik. Auf diesem Album tritt sie mit dem deutschen E-Gitarristen als Improvisatorin in Erscheinung. Im Duo spielen sie sehr fein und intuitiv. Auffallend ist ihr purer und differenzierter Umgang mit Klängen, wodurch jede Nummer aufs Neue überrascht. Keine gleicht der anderen, vor allem was spielerische Dichte und Material betrifft. Lieblingsnummern sind neben Moorkalk eindeutig Quellmoor und Nachtaktiv. Dichtes, herumwanderndes Streichen am Cello steht neben fragilen E-Gitarren-Sounds bei Quellmoor zu Beginn. Nachtaktiv startet ganz kleingliedrig. Brand und Rupp bauen eine flirrende Energie auf, die bis zum Ende der Nummer beibehalten wird und nicht abreißt. Mit Moorkalk wird dann alles wieder eine Spur ruhiger, eine ganz schöne Nummer! Cello und E-Gitarre im Duo hört man nur selten. Diese Kombination geht hier im Falle von Ulrike Brand und Olaf Rupp eindeutig auf. (kat)
Freistil Ausgabe Nov 2016


Rupp’s duo with German cellist Ulrike Brand is very different to Xenofox. The cello is often associated with acoustic, rather romantic music, while the electric guitar is the classic rock appendage – a feminine instrument against a symbol of machismo. Thankfully, Brandt and Rupp don’t fall into these stereotypes. Brand is a well-known interpreter of contemporary classical music (she’s edited books on John Cage and Giacinto Scelsi) and uses the full range of modern techniques, while Rupp barely uses guitar effects or rock chords, apart from on the opening “Rotbuche“. In exploring their instruments’ similarities in sound and color, switching roles, and in modulating and juxtaposing their material, the duo finds a common language. This is clearest in the last two pieces. In “Moorkolk”, Rupp’s guitar takes on the hue of a breathy reed instrument with Brand’s cello providing high-pitched, barely audible notes. It’s like the sound of marshland at night (“Moorkolk“ is German for the water at the center of a marsh). A disturbing and intense piece of music. On “Offenes Geleucht“ (Open Light) Rupp plays open notes against Brand’s continuous vibrato bowing. Ideas echo and bounce between them. Xenofox is more my kind of thing, but Shadowscores displays Rupp’s versatility and is a fine example of musical empathy.
Martin Schray FREEJAZZBLOG.ORG
www.freejazzblog.org/2016/09/two-by-olaf-rupp.html

Dass Gitarre und Cello zusammen gehören wie Tisch und Stuhl, das hat Rupp mit Tristan Honsinger bei "Stretto" (2010) gezeigt. Unplugged. Mit Brand schaltet er die Stromgitarre ein, keine Ahnung, was sie einschaltet. Seine Partnerin gibt ihm jedenfalls mit kirrenden und murrenden Schraffuren, mit heulenden Glissandos und holpernden Querschlägern alle Hände voll zu tun, was bei ihm ja was heißen will. Wer freilich bei „…wenn mir der Mond wie ne Aspirintablette vorkommt: bin ich daran schuld, oder Bayer=Leverkusen?!” zu Arno Schmitt zu improvisieren und nach Rezepten von Andre, Bauckholt, Cage, Katzer oder Yun solo ebenso zu faszinieren versteht wie im Einklang mit Horn, Akkordeon, Harfe oder Orgel, deren totale Spielweise ist wie geschaffen dafür, mit Rupps Saitenzauber Junge zu kriegen. Man muss ihnen nach 70 Min. Betäubungspfeile verpassen, damit sie sich wieder einkriegen in ihrer Hingabe, mit Bögen und Fingern zu surren, flirren, geigen und plonken. Klangfarbenreich schillernd, mit ständig changierender Binnenrhythmik. Im Handumdrehen wechseln sonore Töne mit bruitistischen, knorrige mit luftigen, drahtige mit rauschgoldenen, zirpige mit motorischen. Aber dabei schon auch mit der Zurückhaltung und dem feinen Ohr für Schattenspiele unter der 'Wintersonnenwende'-Sonne, für Klänge, die heikel herausgepickt werden wollen oder die erst wachsen müssen, bevor sie blühen oder gehen und springen können. Da taucht der Geist einer Schamisen auf, der Wind flimmert und leckt an den Saiten. Zwei Köpfe, aber wie vertauscht, um schnelles Wischen und Prickeln zu synchronisieren, um Punkt und Strich zu kontrastieren. Rupp knurscht wie mit einem Stahlschwamm, die Gitarre stöhnt, plinkt, flunkert, tiriliert und quirlt, Brand sägt und hackt, lässt das Cello surren, kurven, in höchsten Tönen singen. Mit weit offenen Mooraugen und -ohren hört man den Wind über Schwingrasen und Pfeifengras schleifen. Ich hätte mir das im Traum nicht derart phantastisch vorstellen können, und an Rupp mit Pleinairpinsel muss ich mich auch erst gewöhnen. []BA 91 rbd
Rigobert Dittmann BAD ALCHEMY
www.badalchemy.de














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